CARLA DEL PONTE TRINKT IN PRISTINA EINEN VANILLA CHAI LATTE

In der deutsch-kosovarischen Produktion inszeniert der Berliner Choreograf Jochen Roller ein neues Theaterstück des in Pristina ansässigen Autors Jeton Neziraj. In dem Stück macht sich die UN-Chefanklägerin Carla del Ponte auf in den Kosovo, um dort nach illegalen Organhändlern zu fahnden. In einer Pause besucht sie ein Starbucks Café in Pristina und ist überrrascht, dass ihr Lieblingsgetränk, der Vanilla Chai Latte, dort ganz ähnlich wie in Europa schmeckt. Dieser Vorfall löst eine Tirade aus über den gescheiterten Liberalismus der alten europäischen Demokratien, der pornografischen Anziehungskraft des westlichen Kapitalismus, Organhandel und der Überlegenheit von schweizer Taschenmessern.

Der Choreograf Jochen Roller versetzt den Text von Neziraj in Bewegung, zusammen mit fünf vorzüglichen kosovarischen Schauspielerinnen, die den englischen Text in einer Hochgeschwindigkeitschoreografie jonglieren. Die Schauspielerinnen verwandeln sich in rasender Geschwindigkeit von Carla del Ponto in Madeleine Allbright, einer verängstigten deutschen Frau, Marina Abramovich, Mutter Teresa, einer Organspenderin, einem Organsucher, Ulay, Bill Clinton, Elez Nikçi und Carla del Pontes Bruder.

“Carla del Ponte trinkt in Pristina einen Vanilla Chai Latte” ist ein verwirrendes Spiel mit ständig veränderten Perspektiven und widersprüchlichen Haltungen. Es ist getanzte Propaganda über die Verführungskunst der Ideologie – schnell, wild, tragisch und komisch.

Premiere 21. Dezember 2016 Oda Theatre Pristina, Kosovo

Text von Jeton Neziraj
Inszeniert von Jochen Roller
Kostüme von Sebatian Ellrich
Licht von Marek Lamprecht und Denis Berisha
Es spielen: Vjosa Abazi, Donikë Ahmeti, Agnesa Nokshiqi, Alketa Sylaj, Lyra Xhoci
Produziert vom FFT Düseldorf and Quendra Multimedia Pristina
Das Projekt wurde im Rahmen von Szenenwechsel, einem Programm der Robert Rosch Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts gefördert.
Gefördert durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN) Koproduktionsförderung Tanz aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Koproduziert vom Goethe Institut Belgrad.
Fotos: Atdhe Mulla (1-6), Artan Korenica (7-10)